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Jungpaläolithische Kleinkunst

Harappian sealer, 2500-2000 BC
Harappian sealer, 2500-2000 BC

Der Begriff Kleinkunst bildet den Gegenbegriff zu den grossformatigen Malereien und Gravierung in steinzeitlichen Höhlen. Die figürlichen Gravierungen, oft auf Lochstäben aus Rengeweih, Knochen, Stein oder Gagat, bilden quantitativ die grösste Gruppe der mobilen Kleinkunst; hier finden sich ausschließlich Darstellungen von Tieren, v. a. von Hirscharten, Steinböcken und Wildpferden. Eingravierte Zeichen und Symbole finden sich auf Geschossspitzen, Harpunen, den “baguettes demi-rondes” oder auf kleineren Lochstäben.

Weiter zu erwähnen ist die Gruppe von plastisch ausgearbeiteten Speerschleuderenden, die meist Wildpferdköpfe, Moschusochsen und auch stilisierte Fische darstellen. Schmuckanhänger und Amulette wurden aus Tierzähnene, kleinen Knochenteilen, Elfenbein, fossilen Schnecken, u. a. geschaffen. Die kleinen, stark abstrahierten “tanzenden” Frauenstatuetten sind eine Besonderheit des Magdaléniens; für einen älteren Zeitabschnitt - das Gravettien - sind üppige, oft gesichtslose Frauendarstellungen typisch, wie z.B. die Venus von Willendorf. Von einigen Fundplätzen, z.B. Gönnersdorf, stammen umfangreiche Serien von flüchtigen Gravierungen auf Schieferplatten, auf denen ebenfalls vor allem Tiere und tanzende Frauen dargestellt sind.

Für die Schweiz ist nur die letzte Phase des Jungpaläolithikums (ca. 38’000-12’700 v.Chr.) - das Magdalénien (ca. 22’000-12’700 v. Chr.) - sicher belegt, da eine Wiederbesiedlung der Mittelgebirgszonen durch Menschen in der Eiszeit erst nach der Wiedererwärmung und dem daraus resultierenden Zerfall des würmeiszeitlichen Eises möglich war. Aus den ca. 30 bekannten Fundstellen in der Schweiz sind lediglich Fundstücke aus der Spätphase des Magdaléniens (ca. 17’000-12’700 v. Chr.) bekannt und gehören innerhalb der nach Andrè Leroi-Gourhan umrissene Stilrichtungen zum Kunststil IV, der Ritzzeichnungen auf Schiefer, Knochen und Geweih, figürliche Kleinplastik sowie Amulett- und Anhängerformen umfasst. Die Fundstellen verteilen sich unregelmässig entlang des südlichen Juraabhanges und des südlichen Gebietes der Schwäbischen Alp.

Die Venus von Willendorf ist Österreichs bekanntestes Fundstück aus der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) und ist heute im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen. Die Skulptur entstand um 25.000 v. Chr., wurde 1908 bei Bauarbeiten der Donauuferbahn in Willendorf in der Wachau gefunden. Sie ist aus Kalkstein, nahezu unversehrt erhalten und stellt eine 11 cm hohe nackte Frauenfigur mit vollen Brüsten und breitem Gesäß dar. Der Kopf hat kein Gesicht, aber eine lockige Frisur. Farbreste zeigen, dass die Skulptur ursprünglich dick mit Rötel bemalt war.

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