
Photo from“The Complete Potter“, 2003.
Kaolin, auch Porzellanerde genannt, ist ein Verwitterungsprodukt von Feldspat. Es besteht weitgehend aus Kaolonit, einem hydratisierten Mischkristall aus Aluminium- und Siliziumoxid, begleitet von Quarzsand, Feldspat und Glimmer. Letztere Verunreinigungen werden durch Schlämmen und Sieben entfernt, das Endprodukt muss möglichst plastisch, beim Trocknen formstabil und nach dem Brennen weiß sein. Zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften werden Kaoline unterschiedlicher Herkunft gemischt; um ein gutes Gießverhalten zu erreichen, gibt man noch Plastifizierungsmittel, wie Wasserglas und/oder Soda zu.

Jane Perryman-photo Stephen Brayne
Ton ist ein wasserhaltiges Aluminiumsilikat. Siehe auch Tonmineral. Man unterscheidet zwischen Primärton und Sekundärton. Die Auswahl und Mischung der Rohstoffe muss folgenden Forderungen genügen: Gute Formbarkeit der Masse, geringer Schwund beim Trocknen und Brennen, hohe Standfestigkeit beim Brennen, geringe oder keine Verfärbung des Endproduktes.

Hans Coper-photo Stephen Brayne
Heute ist der Begriff breiter gefasst. Keramiken sind weitgehend aus anorganischen, feinkörnigen Rohstoffen unter Wasserzugabe bei Raumtemperatur geformte und danach getrocknete Gegenstände, die in einem anschließenden Brennprozess oberhalb 900 °C zu harten, dauerhafteren Gegenständen gesintert werden. Der Begriff schließt auch Werkstoffe auf der Grundlage von Metalloxiden ein. Keramik wird heute im zunehmenden Maße für technische Einsatzzwecke genutzt (technische Keramik) und in ähnlichen Prozessen, allerdings meist höheren Sintertemperaturen, hergestellt. Im Bereich der faserverstärkten Keramik sind auch siliciumhaltige organische Polymere (Polycarbosilane) als Ausgangsstoffe zur Herstellung von amorpher Siliciumcarbid-Keramikmaterial in Verwendung. Sie wandeln sich in einem Pyrolyseprozess vom Polymer zur amorphen Keramik um.
Die Formgebung erfolgt bei Grobkeramik unter anderem durch Strangpressen (zum Beispiel Rohre und Stangen) oder durch Formpressen. Feinkeramik wird (analog der historischen Entwicklung) durch folgende Verfahren geformt:
- Modellieren
- Aufbauarbeit aus einzelnen Strängen (z. B. bei Hohlgefäßen)
- Plattentechnik
- Drehen rotationssymmetrischer Hohlgefäße auf der Töpferscheibe
- Gießen dünnflüssiger Mischungen in geteilte Gipshohlformen, die das Wasser aufsaugen
- Formgebung auf motorgetriebenen Scheiben in Hohlformen mit Hilfe von Schablonen (sog. Eindrehen und Überdrehen)
- Pressen und Stanzen oder Fräsen
- Spritzguss
- Foliengießen

Lisa Hammond-photo Stephen Bravne
Der Brennprozess (Rauh- oder Schrühbrand) - Sintern genannt - ist sehr problematisch und erfordert eine sorgfältige Steuerung. Im so entstehenden „Scherben“ werden die Kristalle miteinander verfilzt und durch glasige Anteile verkittet. Anteil und Art der Kristall- und Glasphase sowie der Poren bestimmen die Eigenschaften des gebrannten Gutes. Die angewandten Temperaturen (bis etwa 1.350 °C; bei Sonderkeramiken auch erheblich höher) hängen von der Rohmischung, also von dem zu erzeugenden Produkt ab und müssen in vielen Fällen während des Brennprozesses variiert werden (Temperaturprofil).

Peter Lane-photo Stephen Brayne
Terrakotta (nach ital. terra cotta, „gebrannte Erde“), in anderer Schreibweise Terracotta, wird als Materialbezeichnung für gebrannte, unglasierte Tonobjekte wie Gefäße, Skulpturen und Baukeramik verwendet, gelegentlich auch als Benennung für einen warmen, erdigen Farbton.
Terrakotta wird aus eisenhaltigem roten, aber auch aus kalkhaltigem gelblichen Ton hergestellt. Die mineralische Zusammensetzung der Tonsorten bzw. ihrer Mischungen bestimmen die charakteristischen Eigenschaften hochwertiger Terrakotten. Die Stücke weisen einen natürlich warmen Farbton und gute Haltbarkeit auf, sind wasserfest und widerstandsfähig gegen Frost. Da nur ein einmaliger Brand und relativ niedrige Temperaturen (900-1000° Celsius) erforderlich sind, ist die Herstellung nicht kompliziert. Das Material ist einer der ältesten Werkstoffe der Kulturgeschichte. Es kommt in großen Mengen vor, lässt sich leicht bearbeiten und fand daher schon in der Antike weit verbreitet Anwendung. Spätere Blütezeiten waren die Renaissance und das 19. Jahrhundert. Schon aus prähistorischer Zeit sind kleine Gegenstände zu finden, in der kretisch-mykenischen Kultur dann schon zahlreiche Menschen- und Tierstatuetten.

Chris Bramble-photo Stephen Brayne
Terra Sigillata (TS) ist der moderne Name für eine bestimmte Form römischen Tafelgeschirrs, die Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. in italischen Werkstätten (Arezzo) entwickelt wurde. Die Römer haben „das gute Tafelgeschirr“ in Handwerksbetrieben (Manufakturen) hergestellt, die ihre Ware mit einem Manufaktursiegel versehen wurde.
Das Geschirr zeichnet sich durch einen glänzend roten Überzug aus. Neben glatter Ware gibt es reliefverzierte, mit Modeln hergestellte Gefäße. Mit einzelnen Stempeln wurde die Verzierung im Model gestaltet und anschließend ausgeformt. Vor allem Schalen wurden so verziert. Die verzierte Zone wird nach oben in der regel durch einen sogenannten Eierstab abgeschlossen. Die Stempel - sowohl die Herstellerstempel als auch die Bildstempel - sind für die Archäologie eine wichtige Hilfe zur chronologischen Einordnung, die Erforschung der Terra Sigillata hat in der Archäologie daher eine lange Tradition. Die erste Einteilung entstand 1896 durch Hans Dragendorff.

Photo from“The Complete Potter“,2003.
Terra Nigra bezeichnet antik-frühmittelalterliche Schwarzkeramik. Vor dem Brand wurden die lederhart getrockneten Gefäße mit einer dicken, aber feinteiligen weißen Engobe überzogen, die Oberfläche danach mit einem Spachtel oder Glättstein poliert und somit veredelt. Dieser mechanischen Oberflächenbehandlung verdankt die Terra Nigra ihren intensiven Glanz. Im reduzierenden Brand (d. h. Drosselung der Sauerstoffzufuhr auf ein Mindestmaß) und möglicherweise durch Zufuhr von Rauch in den Töpferofen erzielte der Töpfer einen hellgrauen bzw. grauschwarzen Tonscherben und den glänzend schwarzen Überzug.
Ein Tonmodell ist ein Abbild eines dreidimensionalen Objektes in Ton, das für folgende Zwecke hergestellt wird: Skizze/Entwurf: Ein Tonmodell als Entwurf wird meist nur sehr grob und in verkleinertem Maßstab des zukünftigen Gegenstandes ausgearbeitet. Der Entwurf dient lediglich zum Ausarbeiten einer groben Form eines späteren Werkes. Beispielsweise erstellt ein Bildhauer oft mehrere Skizzen in Ton, welche ihm dann als Vorlagen für die später zu erstellenden Skulptur dienen.
Um Tongefäße zu formen, gibt es verschiedene Techniken: Bei der einfachsten werden Tonfladen zusammengesetzt und die Übergänge geglättet (Aufbautechnik). Bei der Wulsttechnik werden dünne Stränge von Ton ringförmig oder in Spiralen übereinander geschichtet, beim Formen mit der Töpferscheibe wird ein in schnelle Drehung versetzter Tonklumpen mit den Händen oder mit Schablonen zu einem rotationssymmetrischen Gefäß ausgezogen. Nach dem Formen werden die vorgetrockneten Werkstücke gebrannt und dadurch gehärtet.
Töpferei ist eine Technik der Keramikherstellung, bei der feuchte Erden (Ton/Lehm) geformt und anschließend getrocknet und gebrannt werden, um sie wasserunlöslich und hart zu machen. Die Bezeichnung wird im Allgemeinen nur für das Herstellen von Gefäßen wie Töpfe, Schalen, Schüsseln usw. und von dekorativen Einzelteilen verwendet, aber nicht für technische Keramiken, wie zum Beispiel für die Herstellung von Hitzschutzkacheln für das Space-Shuttle.
Die Keramik-Glasur ist ein Oberflächenprodukt für die Gruppe von Keramikprodukten (Steingut, Terrakotta, Porzellan, etc.), die hauptsächlich in den Anfängen der Töpferei dazu diente, den porösen Scherben mit einem wasserundurchlässigen Überzug zu versehen.
Seladon ist ein nach seiner “seladongrünen” (graugrünen) Glasur benanntes chinesisches Steinzeug (Verwendung der Glasur nicht nur für Steinzeug, sondern auch für Porzellan gebräuchlich) des 9. bis 15. Jahrhunderts, das im Mittelalter vereinzelt auch nach Europa gelangte. Es ist meist mit Reliefs verziert. Die grünliche oder bläuliche Glasur lässt bei frühen Stücken den Scherben durchscheinen; bei späteren Exemplaren ist die Glasur grasgrün oder dunkelolivgrün. Die typische Glasur der Mingzeit (ab 1368) ist schmutziggrün und undurchscheinend.

Kate Schuricht-photo Stephen Brayne
Glasuren sind dünne, glasartige Überzüge, die zwei wesentliche Forderungen erfüllen. Zum einen machen sie den porösen Tonkörper wasserdicht und geben ihm eine leicht zu reinigende Oberfläche. Zum anderen ermöglichen sie eine abwechslungsreiche, dekorative Gestaltung der Keramiken. Glasuren können farbig, transparent oder deckend, glänzend, halbmatt oder matt sein. Sie können weich und niedrig schmelzend (max. 1.000 °C) oder hart und hoch schmelzend (Über 1.200 °C) sein. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung kann man z.B. zwischen Borosilikat-, Feldspat-, Salz- und bleihaltigen Glasuren unterscheiden. Die Glasuren werden häufig (z.B. Tonwaren) erst nach dem Schrühbrand der Ware aufgebracht (Tauchen, Spritzen, Pinseln, Stempeln) und in einem erneuten Brennprozess (Glattbrand), der aber unterhalb der Brenntemperatur des Rolings liegen muss, verglast.
Steingut ist eine Gattung der porösen Tonkeramik (Tongut) mit meist bleifarbener Glasur. Die Farbe ist rotbraun. Die Bestandteile sind zu 50% plastischer Ton sowie 45% Quarz- und 5% Feldspatpulver. Die Formung erfolgt leichter als bei einer Porzellanmasse und der Brennvorgang kann bei einer niedrigeren Temperatur (900°-1100°C) erfolgen. Aufgrund der geringen Brenntemperatur wird Steingut im Gegensatz zu Steinzeug beim Brennen nicht wasserdicht und wird daher in der Regel glasiert; erst diese Glasur sorgt für die notwendige Abdichtung. Die Glasur schmilzt bei Rotglut in einem besonderen Brennvorgang.

Jeff Oestreich-photo Stephen Brayne
Raku-Keramik, kurz Raku, ist eine alte japanische Töpfertechnik, die ursprünglich untrennbar mit dem Zen-Buddhismus und der Teezeremonie verbunden war. In Europa ist Raku erst seit 1940 bekannt. Das besondere an der Raku-Technik sind die Glasuren. Nachdem die Töpferware rohgebrannt ist, wird sie glasiert und bei 1000 Grad Celsius gebrannt. Mit langen Zangen werden die rotglühenden Gegenstände dann aus dem Ofen direkt in einen verschließbaren, mit Sägemehl (oder anderem brennbaren Material) gefüllten Behälter gebracht. Durch das Verbrennen der Sägespäne entsteht ein Reduktionseffekt. Es entstehen die typischen schwarzen Raku-Effekte.
Die Hagiyaki-Keramik kommt aus der japanischen Präfektur Yamaguchi und zeichnet sich durch ein helles Craqueleé-Muster aus. Es handelt sich um kunsthandwerkliche Gegenstände für den Alltagsgebrauch. Typisch für die Hagi-Keramik ist díe Kerbe am Boden; sie besagte, dass die so gekennzeichnete Ware für den Verkauf zugelassen war.

Kate Schuricht-photo Stephen Brayne
Porzellan, auch Weißes Gold genannt, besteht aus drei Bestandteilen
1. Tonsubstanz (im Volksmund auch Kaolin genannt)
2. Feldspat
3. Quarz
Es gibt Hartporzellan und Weichporzellan, die Anteile der genannten Inhaltsstoffe verhalten sich etwa im Verhältnis 50/25/25 (Hartporzellan) und 40/30/30 (Weichporzellan). Das herausragende Merkmal von Porzellan gegenüber anderen Keramik-Produkten ist die hohe Brenntemperatur (Hartporzellan 1410 °C, Weichporzellan 1300 °C), und dass bei oxidierender Atmosphäre gebrannt wird.
Als Majolika (manchmal auch Maiolica nach der altitalienischen Bezeichnung für Mallorca) bezeichnet man ein Objekt aus gebranntem Ton, oft ohne Bemalung (Halb-Porzellan), oder auch eines aus gewöhnlichem Steingut, das mit einer deckenden weißen Zinnglasur überzogen ist. Anschließend mit leuchtenden Farben bemalt, kann derart aufwändig hergestellte Keramik Jahrhunderte überdauern, ohne dass die Farben ihren Glanz verlieren. Verzichtet man auf Glasur und Bemalung, spricht man von einer „Terrakotta“.
Mallorca war im 15. und 16. Jahrhundert der größte Handelsplatz für glasierte Tonwaren im Mittelmeerraum war. Über die Hauptinsel der Balearen gelangten spanisch-maurische Tonwaren nach Italien, wo der Name dann auf Fayencen übertragen wurde.

Kate Schuricht-photo Stephen Brayne
Fayence, von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für Tonware mit porösen Scherben, die mit einer deckenden weißen oder farbigen Zinnglasur überzogen, meist mit Scharffeuer- oder Muffelfarben dekoriert und mehrmals gebrannt wird.
Fayenceähnliche Techniken gibt es schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Fayence im eigentlichen Sinne wurde schon im 5. Jahrhundert in Persien hergestellt, dann in Mesopotamien, später im islamischen Kulturkreis verbreitet, von dort nach Spanien eingeführt und gelangte im 14. und 15. Jahrhundert über Mallorca, dessen Erzeugnisse danach die Bezeichnung Majolika (altital. Maiolica) erhielten, nach Italien. Bedeutende Herstellungszentren wurden hier Faenza, Orvieto, Urbino, Deruta, Gubbio, Siena und Cafaggiolo.
Delfter Fayencen waren weiß, stark glasiert und wurden etwa von 1580 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Delft angefertigt. Ihre charakteristische Eigentümlichkeit ist die blaue Bemalung, welche japanische und chinesische Vorbilder aus Porzellan (meist Wan-Li-Stil) nachahmt. Darin unterscheiden sich diese Fayencen von der vorangehenden niederländischen Majolika, die sich an italienischen Vorbildern orientierte. In der Mitte des 17. Jahrhundert erreichte die Fabrikation ihre Blütezeit. Wegen politischer Unruhen in China waren seit 1657 die Porzellanimporte gestört und folglich stieg die Nachfrage nach Delfter Fayence, die zu dieser Zeit auch “porceleyne” bezeichnet wurde.
Dieser Auftrag (typischerweise als dekorative Engobenmalerei) kann entweder auf den lederharten ungebrannten Ton oder auf den unglasierten vorgebrannten (geschrühten) Scherben erfolgen. Nach dem Trocknen wird die Engobe im Endbrand mit dem Scherben verbunden.
Als Sinterengobe wird eine Kombination aus färbenden und glasierenden Elementen (Metalloxide oder Farbkörper) bezeichnet, sie ist Engobe und Glasur in einem und hat eine leicht glänzende Oberfläche. Die Konsistenz einer Engobe sollte immer gleich sein, damit sich bestimmte Effekte wiederholen lassen.
Engobieren ist auch ein industrielles Verfahren zur farblichen Gestaltung von keramischen Oberflächen. Dabei wird ein Rohling z.B. einer Fliese oder eines Dachziegel durch Tauchen, Begießen oder Sprühen mit mineralischen Tonschlämmen überzogen. Je nach Auftragstechnik können unterschiedliche Farbeffekte erzielt werden. Beim späteren Brennen der Fliese versintern die Schlämme und ergeben eine matte bis mattglänzende Oberfläche.
Steinzeug ist die Bezeichnung für alle Arten von Tonwaren, deren Scherben beim Brand dichtbrennen bzw. verglasen oder sintern. Die notwendige Brenntemperatur hängt von der Zusammensetzung der Masse ab und liegt in der Regel bei 1200 °C - 1300 °C. Scherben und Glasur sind durch den Brand mittels einer Zwischenschicht miteinander verschmolzen. Aber auch ohne Glasur ist Steinzeug nahezu wasserdicht. Dagegen wird Steingut bei geringerer Temperatur gebrannt und muss glasiert werden, um dicht zu werden.